Ressourcen schonen im Kleingarten
Teil 1: Gärtnern
Text: Carolin Engwert, www.hauptstadtgarten.de
Prinzipien
Ressourcenschonendes Gärtnern ist ein sehr umfangreiches Themengebiet, das alle Tätigkeiten von Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern tangiert. Es bedeutet, vorhandene Mittel im Sinne von Nachhaltigkeit und Umweltschutz möglichst effizient zu nutzen und unnötigen Verbrauch zu vermeiden. Dabei geht es nicht nur um Wasser oder Energie, sondern auch um Boden, Nährstoffe, (Verbrauchs-)Material und die eigene Arbeitskraft. Ressourcenschonendes Gärtnern hat viele positive Nebeneffekte: es stärkt die Bodenfruchtbarkeit, erhöht die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber Krankheiten und Schädlingen und man spart Geld.
Fragen Sie sich im Garten und rund um die Laube daher immer folgende Fragen:
- Ist diese Maßnahme oder Neuanschaffung notwendig und sinnvoll?
- Gibt es diesen Gegenstand auch gebraucht oder zum Ausleihen?
- Gibt es diese Ressource auch in natürlicher Form?
- Muss dieser Gegenstand weggeworfen werden oder kann ich ihn noch verwenden, reparieren oder anderweitig wiederverwenden?
1. Boden – Grundlage jedes Gartens
Der Boden ist die wichtigste Ressource im Garten. Ein gesunder Boden speichert Wasser, stellt Nährstoffe bereit und bildet die Grundlage für stabile Erträge.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Humusgehalt. Humus verbessert die Bodenstruktur und erhöht die Wasserspeicherfähigkeit. Gleichzeitig bindet Humus Kohlenstoff. Untersuchungen zeigen, dass in Böden mit höherem Humusgehalts deutlich mehr Kohlenstoff gespeichert ist.
Für die Praxis im Kleingarten lassen sich daraus mehrere Empfehlungen ableiten:
- Boden möglichst wenig bearbeiten (No-Dig oder reduzierte Bodenbearbeitung mit Grubber bzw. Broadfork) um Bodenlebewesen nicht unnötig zu stören.
- Mulch einsetzen, um Verdunstung und Erosion zu reduzieren.
- Verdichtung vermeiden, etwa durch schmale Wege zwischen den Reihen, statt die Beete überall zu betreten.
- Durch konsequente Kompostierung organische Substanz im Kreislauf halten.
Auch Methoden wie mit Pflanzenkohle angereicherte Terra-Preta oder Bokashi (fermentierte Küchenabfälle) können dazu beitragen, organisches Material im Boden zu stabilisieren. Entscheidend ist jedoch weniger die Methode als der Grundgedanke: Organische Substanz sollte möglichst im Garten bleiben und in den Boden zurückgeführt werden.
Fruchtbarer Boden, Foto: Carolin Engwert
2. Standort – durch sorgfältige Planung Ressourcen sparen
Neben dem Boden spielt auch der Standort eine entscheidende Rolle für einen ressourcenschonenden Garten. Pflanzen, die am passenden Standort wachsen, benötigen deutlich weniger Pflege, Wasser oder zusätzliche Nährstoffe.
Dabei sollten unter anderem folgende Faktoren berücksichtigt werden:
- Lichtverhältnisse (Sonne, Halbschatten, Schatten)
- Bodenverhältnisse
- Windverhältnisse und Windrichtungen
- Wasserverfügbarkeit
Beispiele aus der Praxis:
- Hortensien oder andere wasserbedürftige Pflanzen leiden in voller Sonne und benötigen dort deutlich mehr Bewässerung.
- Gemüsearten mit hohem Lichtbedarf (z.B. mediterrane Fruchtgemüse wie Tomaten, Paprika, Auberginen) gedeihen nur an sonnigen Standorten zuverlässig.
- Windgeschützte Bereiche reduzieren Verdunstung und damit den Wasserbedarf.
3. Pflanzen – Auswahl und Herkunft
Auch die Auswahl der Pflanzen hat Einfluss auf den Ressourcenverbrauch im Garten.
Hilfreiche Grundprinzipien:
- Mehrjährige Pflanzen oder Stauden einbeziehen, auch bei Gemüse, da diese nicht jedes Jahr neu kultiviert werden müssen. Beispiele: Etagenzwiebel, Markstammkohl, Rhabarber, Spargel, Topinambur.
- Robuste und bewährte Regionalsorten bevorzugen.
- Saatgut möglichst selbst gewinnen und tauschen oder geeignete Arten gezielt versamen lassen. Beispiele: Rote Melde, Salate, Radieschen, Grünkohl.
Die Herkunft von Pflanzen spielt auch eine Rolle: Regional und nachhaltig produzierte Pflanzen benötigen weniger Energie für Produktion und Transport. Biologisch kultivierte Pflanzen sind im Gegensatz zu herkömmlichen Exemplaren pestizidfrei. Dauerhafte Pflanzsysteme nach dem Agroforstprinzip (Bäume, Sträucher und Gemüse als Pflanzengemeinschaften) helfen, Ressourcen langfristig zu schonen.
- Die eigene Jungpflanzenanzucht wird nachhaltiger, indem man diese Punkte beachtet:
- Selbst gemischte Anzuchterde oder torffreie Aussaaterde nutzen.
- Gekaufte Pflanztöpfe sammeln und wiederverwenden.
- Statt Kokos-Quelltabs oder Papiertöpfchen, die schnell schimmeln, eine langlebige Erdballenpresse verwenden.
- Etwas später im Frühjahr mit der Anzucht beginnen und das zunehmende Sonnenlicht am hellen Fenster optimal nutzen.
- Falls zur Anzucht Kunstlicht benötigt wird, energiesparende LED nutzen. Empfehlenswert sind Lampen mit weißem Lichteindruck, die möglichst dort eingesetzt werden, wo ohnehin Licht gebraucht wird, z. B. als Arbeitsplatzbeleuchtung in der Küche.
Langlebige Erdballenpresse und mehrfach genutzte Pflanztöpfe, Foto: Carolin Engwert
4. Wasser – klug nutzen statt verschwenden
Wasser ist eine kostbare Ressource. Der Deutsche Wetterdienst zeigt, dass Extremwetterereignisse in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten häufiger geworden sind. In vielen Regionen wechseln sich längere Trockenphasen mit Starkregen ab. Wer ressourcenschonend gärtnert, versucht daher, Wasser möglichst im System zu halten, aber gleichzeitig möglichst wenig Fläche zu versiegeln, um bei Starkregen einen guten Abfluss zu gewährleisten.
Eine zentrale Rolle spielt erneut der Boden, da humusreiche Böden deutlich mehr Wasser speichern können. In humusarmen sandigen Böden versickert Wasser schneller, während es in stark tonigen Böden so fest gebunden ist, dass die kapillare Saugfähigkeit der Pflanzenwurzeln oft nicht ausreicht, um es aus den feinen Poren zu lösen.
Weitere Maßnahmen:
- Mulchschichten reduzieren Verdunstung. Geeignete Materialien sind z. B. Laub, Rasenschnitt, Pflanzenreste, Schafwolle.
- Lieber durchdringend statt häufig gießen.
- Morgens oder Abends gießen statt mittags.
- Gießringe helfen, Wasser gezielt an Jungpflanzen zu bringen.
- Windschutz reduziert Verdunstung.
- Tröpfchenbewässerung oder Ollas ermöglichen eine effiziente Wasserversorgung direkt an den Pflanzenwurzeln.
Trinkwasser ist ein hochwertiges Lebensmittel und sollte im Garten möglichst sparsam eingesetzt werden. Die Nutzung von Regenwasser kann den Verbrauch deutlich reduzieren. Dilemma bei der Regenwassernutzung: Im Sommer wird viel Wasser benötigt, Niederschläge fallen jedoch überwiegend in den Wintermonaten. Da Dachflächen von Lauben vergleichsweise klein und wenig ergiebig sind, sollten ausreichend große Speichermöglichkeit vorgesehen und diese ggf. frostfrei gehalten werden. Alternativ kann die Eisdecke regelmäßig aufgebrochen werden oder es werden elastische Behälter genutzt, da herkömmliche Kunststofftonnen bei anhaltendem Frost zum Platzen neigen. Gegebenenfalls die Regentonne bereits im frühen Frühjahr wieder aufstellen.
li: Wasser als wertvolle Ressource, re: Beet mit Ollas und Mulch aus Schafwolle, Foto: Carolin Engwert
5. Nährstoffe – Kreisläufe schließen
Mineralische Stickstoffdünger werden in einem energieintensiven industriellen Verfahren hergestellt. Dabei wird häufig Erdgas eingesetzt, was erhebliche CO₂-Emissionen verursacht. Beim sogenannten Haber-Bosch-Verfahren wird aus Luftstickstoff (N₂) und Wasserstoff unter hohem Druck und hoher Temperatur Ammoniak hergestellt. Dabei wird der chemisch sehr stabile, für Pflanzen kaum nutzbare Luftstickstoff in reaktiven Stickstoff umgewandelt, der von Pflanzen aufgenommen werden kann. Der so produzierte Ammoniak ist die Grundlage für mineralische Stickstoffdünger.
Deshalb lohnt es sich, Nährstoffkreisläufe im Garten zu schließen und nur organische Dünger zu verwenden:
- Kompost aus Gartenabfällen herstellen und nutzen.
- Gründüngung anbauen.
- Leguminosen als natürliche Stickstofflieferanten einsetzen.
- Durch regelmäßige Bodenproben die Nährstoffbilanz im Blick behalten und Überdüngung vermeiden.
- Beim Düngerkauf organische Materialien wie Hornspäne, Schafwollpellets, Pferdemist, Rinderdung oder organische Flüssigdünger (meist aus Reststoffen der Lebensmittelproduktion) wählen.
li: Hornspäne als natürlicher Langzeitdünger, re: Pferdemistlieferung, Foto: Carolin Engwert
6. Torf konsequent vermeiden
Im ressourcenschonenden Garten entsteht durch Kreislaufwirtschaft und Kompostierung laufend frische Erde. Diese kann mit Sand abgemagert auch als Aussaaterde genutzt werden. Sollte doch gelegentlich Substrat zugekauft werden, lohnt sich ein genauer Blick auf die Verpackung. Kaufen Sie nur explizit torffreie Erde, da Torfabbau Moorökosysteme zerstört und langfristig große Mengen gebundenen Kohlenstoff freisetzt. Jedes Substrat hat sein eigenes „Rezept“ und nicht alle Zutaten sind nachhaltig. Initiativen wie Horticert versuchen daher, die Klimawirkung von Torfersatzprodukten transparenter zu machen.
Beim Pflanzenkauf ist es sinnvoll, nach in torffreien Substraten kultivierten Pflanzen zu fragen. Die Nachfrage erhöht mit der Zeit den Druck auf Erzeugerbetriebe, auf torffrei umzustellen.
7. Ernten und Verwerten
Ressourcenschonendes Gärtnern endet nicht mit der Ernte. Auch die Lagerung und Verwertung der angebauten Produkte spielt eine wichtige Rolle.
Hilfreiche Strategien sind:
- Realistische Mengenberechnung bei der Anbauplanung und ggf. Aussaat in Sätzen, damit nicht 30 Salate gleichzeitig erntereif sind.
- Zeit für Ente und Verwertung einplanen, Platz in Kühlschrank und Tiefkühler freihalten und ggf. Freunde und Familie einbinden.
- Lagerplatz für Lagergemüse schaffen (frostfreier Schuppen, Keller oder Erdmiete).
- Arten pflanzen, die nach Bedarf geerntet werden (z. B. Grünkohl oder Topinambur).
- Bei längerer Abwesenheit im Sommer eine erntewillige Urlaubsvertretung organisieren.
Zur Haltbarmachung eignen sich verschiedene Methoden, z. B. Einkochen, Fermentieren, Trocknen, aber auch Einfrieren. Das Sammeln und Wiederverwenden von Schraubgläsern spart Materialien.
li: fermentierter Rotkohl, re: in Sand eingelagerte Möhren, Foto: Carolin Engwert
8. Gartengestaltung mit Natur- und Recyclingmaterialien
Bei der Gartengestaltung lohnt es sich, wenn möglich natürliche Materialien zu nutzen. Idealerweise sind diese sogar im Garten gewachsen. Beispiel: Rankgerüste aus Obstbaumschnitt. Entfernen Sie unnötige Versiegelung wie betonierte Wege und bevorzugen Sie wasserdurchlässige Alternativen. Recyclingmaterialien können verwendet werden, achten Sie aber auf mögliche Schadstoffe, Imprägnierungen und Beschichtungen! Materialien wie alte Autoreifen enthalten problematische Inhaltsstoffe und sind für den Garten daher grundsätzlich ungeeignet.
Vermeiden Sie Netze, Folien und Planen aus Kunststoffen sowie Kunstrasen oder ähnliche Terrassenbeläge, da sie mit der Zeit durch Witterung und Sonneneinstrahlung Mikroplastikpartikel in die Umwelt freisetzen.
Rankgitter aus Obstbaumschnitt, Foto: Carolin Engwert
9. Energie im Garten
Nutzen Sie Energie bewusst und sparsam:
- Gewächshäuser nicht dauerhaft beheizen.
- Effiziente Geräte einsetzen.
- Bei Strombezug einen Ökostromtarif abschließen.
- Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad, statt mit dem Auto erledigen.
Photovoltaiklösungen in Kleingärten können möglich sein, wenn sie bestehende Stromversorgung ersetzen, der kleingärtnerischen Nutzung dienen und die jeweiligen Vereinsregelungen eingehalten werden. Ob dies im jeweiligen Fall möglich ist, muss vor Ort entschieden werden.
Auch Licht sollte bewusst eingesetzt werden. Dauerbeleuchtung im Garten kann nachtaktive Insekten beeinträchtigen und Energie verbrauchen. Fachleute empfehlen daher, Außenbeleuchtung möglichst sparsam einzusetzen, warmweiße Lichtfarben zu nutzen und Leuchten nach unten auszurichten.
10. Geräte
Auch Geräte haben eine Ressourcenbilanz. Grundprinzipien eines ressourcenschonenden Umgangs sind:
- Langlebige Werkzeuge bevorzugen.
- Reparieren statt neu kaufen.
- Geräte im Verein gemeinsam nutzen.
- Möglichst Handgeräte verwenden. Falls das nicht möglich oder sinnvoll ist: Strombetriebene Geräte gegenüber benzinbetriebenen bevorzugen.
Weiterführende Infos
Der Text ist eine Zusammenfassung des Vortrag, den Carolin Engwert im Rahmen der Online-Reihe Fachberatung 2025/2026 des BKD gehalten hat.
Carolin Engwert schreibt über ihre Erfahrungen im Blog Hauptstadtgarten. Von ihr sind mehrer Bücher zum Kleingärtnern beim Kosmos-Verlag erschienen, die sich gut für Gartenneulinge eignen.
Instagram: @hauptstadtgarten
