Text: Dr. Birgitta Goldschmidt, Referentin für Schulgarten und BNE
„Kompost“ und „Komponieren“ haben denselben Wortursprung.
Grundlage ist die Fähigkeit der Natur, mit Hilfe einer Vielzahl spezialisierter Lebewesen alle „Abfälle“ zu verwerten und als Humus in den Stoffkreislauf zurückzuführen. Wir nutzen diese Fähigkeit, indem wir bewusst Abfälle zusammensetzen (quasi „komponieren“), damit das Produkt dieses Umsetzungsprozesses eine möglichst fruchtbare Erde ist, die wir für den Anbau unserer Gartenpflanzen nutzen können. Kompost ist nichts anderes als „komponierter“ Humus. Dabei sollte uns immer bewusst sein: Nicht wir produzieren diesen Humus, sondern andere Lebewesen: die Destruenten (Zersetzer), die in unserem Garten aktiv sind.
Das Potenzial und die Resilienz dieser Zersetzergemeinschaft hängt davon ab, wie vielfältig und gut versorgt sie ist. Dafür können wir im Garten viel tun. Das sollten wir auch, denn Humus ist nicht nur ein wertvolles Pflanzsubstrat, sondern erfüllt viele wichtige Ökosystem-Funktionen: Er speichert Kohlenstoff (und trägt damit zum Klimaschutz bei), verbessert in Form von Ton-Humus-Komplexen die Bodenstruktur (Schutz vor Erosion und Verdichtung), speichert Wasser (vor allem wichtig bei leichten, sandigen Böden) und lagert Nährstoffe auf eine Art und Weise ein, dass sie für Pflanzen leicht verfügbar sind, aber nicht so leicht ausgewaschen werden können.
Betrachten wir noch einmal die Wortherkunft: Das Wort „Humus“ stammt aus dem Lateinischen und hat den gleichen Wortstamm wie das Wort „Homo“. Mensch und Humus sind – das wussten die Menschen schon immer – auf’s Engste miteinander verwoben. Humus gibt es indes auch ohne Menschen – Menschen aber nicht ohne Humus!
Gärtnerische Prinzipien für eine gute Humuswirtschaft
- Kein organisches Material verlässt den Garten – denn das ist alles Futter für unsere Zersetzergemeinschaft und Rohstoff für die Humusbildung!
- Wir gestalten den Garten strukturreich mit vielen verschiedenen Standorten und Biotopen!
- Wir verteilen organisches Material im Garten auf eine Weise, dass sich an verschiedenen Standorten unterschiedliche Zersetzergemeinschaften etablieren können.
Arten zu kompostieren
Haufenkompost
- im Behälter oder als Haufen (siehe Grafik 1)
- Kompostmiete: erst Material sammeln und dann gezielt aufschichten und abdecken, damit eine Heißrotte in Gang kommt
- Casual Compost: Material wird einfach von oben nachgelegt und vorrottet mit der Zeit (so machen es die meisten)
Flächenkompost
- Laub und „Bad Compost“ (siehe unten) unter Hecken
- Mulch auf Gemüsebeeten (dünner Sommer-Mulch, dicker Winter-Mulch)
- Liegenlassen von Jätgut
- Rasen als Mulchschnitt
Grafik 1: Haufenkompost, Grafik 2: C/N-Verhältnis, beide: Birgitta Goldschmidt
Wo wird kompostiert?
- auf offenem Boden (damit Bodenlebewesen ein- und auswandern können)
- im Halbschatten (Minimierung des Wasserverlustes, kein übermäßiges Aufheizen im Sommer)
- gerne im Zentrum des Gartens, denn: Der Kompost ist das Herz des Gartens!
Was kann man kompostieren?
- Alles Organische
- Kein Kunststoff
- Kein Metall
- Keine Umweltgifte
Geht das?
- Zitrusfrüchte? Ja, wenn ungespritzt
- Asche? Nur in geringen Mengen (Salzeintrag)
- Gekochtes? Ja, am besten als Bokashi (siehe unten)
- Kranke Pflanzenteile/samentragendes Unkraut/Wurzeln von Wurzelunkräutern? Ja, als „Bad Compost“ anlegen oder verjauchen (siehe unten)
- Rasenschnitt? Ja, wenn möglich in dünnen Schichten, aber besser zum Mulchen von Gemüsebeeten nutzen oder als Bokashi (siehe unten)
- Laub/Stroh/Holz/Rinde? Ja, am besten im Wechsel mit frischem Grün
(z. B. Rasenschnitt) wegen dem C/N-Verhältnis (siehe Grafik 2) - Exkremente(Mist, Kleintierstreu)? Ja, wenn man sicher ist, dass keine synthetischen Verunreinigungen (z. B. Medikamente, Zusatzstoffe in der Streu) enthalten sind
Wie wird kompostiert?
- Alle organischen Prozesse brauchen Wasser, deshalb skann man bei Trockenheit den Kompost gießen. Aber: Wasser sparen in Dürrezeiten ist wichtiger. Wenn der Kompost austrocknet, ist das nicht so schlimm, der Zersetzungsprozess stoppt nur und geht sofort weiter, wenn wieder Wasser zur Verfügung steht.
Tipp: Kompost bei Hitze abdecken. - Das gleiche gilt für Frost: Der Prozess stoppt und läuft wieder an, wenn es taut. Eine dicke Schicht Laub schützt vor Frost, sodass der Prozess auch weiter läuft, wenn es „draußen“ friert.
- Auch auf einem „Casual Compost“ (siehe Grafik 1) komponieren! – Also: Verschiedene Materialien im Wechsel, vor allem Rasenschnitt mit Laub/Stroh mischen, gerbstoff-/ligninreiches Material (Stroh, Laub, Holz) mit frischem Material mischen.
Verwendung von Kompost
Den Kompost grob sieben und drei bis fünf Liter pro Quadratmeter und Jahr auf die Gemüsebeete, an Beerensträucher, Obstbäume, Stauden etc. verteilen. Starkzehrer können im Laufe des Jahres eine zusätzliche Gabe Kompost bekommen.
Kompost fein sieben als nährstoffreiche Pflanzerde für Topfpflanzen. Die alte Erde aus Töpfen als nährstoffarme Anzuchterde wiederverwenden.
Mit Kompost sind Pflanzen optimal versorgt und brauchen keinen zusätzlichen Dünger!
Arten von Spezialkompost
- Küchen-Bokashi ist keine Kompost-Alternative, sondern eine Methode der Vorfermentierung (milchsaure Gärung: viel Eiweiß aus frischem Grün und wenig Sauerstoff); Fleisch und gekochtes Essen kann mitfermentiert werden, dann zieht es im Kompost keine Ratten an. Den fertigen Bokashi kann man dann mit anderem Material auf dem Kompost vererden lassen. Den Sickersaft als Flüssigdünger verwenden!
Tipp: Einige schwören auf frischen Bokashi als Schnecken-Abwehr, da der pH-Wert sehr niedrig ist. - Garten-Bokashi: Frisches Grün (z. B. Rasenschnitt) kann auch vorfermentiert werden, bevor es auf den Kompost kommt.
Tipp: im Garten fällt ein Vielfaches an Grün-Material an im Vergleich zur Küche. Die Bokashierung von frischen Gartenabfällen lohnt sich, wenn man größere Mengen z. B. für die Herstellung von Terra preta oder als Schnecken-Abwehr braucht. - Terra preta: Kompostieren mit Pflanzenkohle, am besten in Kombination mit Bokashi. Aber: „Die Losung ist die Lösung“, denn fertig ist Terra preta erst, wenn organisches Material, Mineralboden und Pflanzenkohlestaub sich im Verdauungsapparat der Regenwürmer vermischt und als Regenwurm-Losung ausgeschieden wird.
- Laubkompost: nährstoffarme und unkrautsamenarme Anzuchterde (braucht zwei bis drei Jahre!)
- Torfersatz: Gerbstoffreiches Laub (Walnuss, Eiche) und ligninreiches Material (Fichten-/Tannennadeln, Rinde, Holzhäcksel) kompostieren.
„Bad Compost“
Kein organisches Material verlässt den Garten! Legen Sie einen extra Komposthaufen für alles an, was in Ihrem Gartenkompost Probleme bereiten könnte.
- Samentragende Unkräuter und Wurzeln von Wurzelunkräutern können in einer „Wilden Ecken“ kompostiert werden.
- Kranke Pflanzenteile können als Pflanzenjauche (wie Brennnesseljauche) verarbeitet werden, die man als Flüssigdünger nutzt. Die Reste kommen auf den Kompost.
- Man kann aus solchem Material auch Bokashi herstellen, durch die Säure werden die meisten schädlichen Substanzen (Samen, Krankheitserreger) unschädlich gemacht.
FAQ
- Schnellkomposter? Nicht nötig, vermeiden Sie Plastik im Garten
- Kompostbeschleuniger? Nicht nötig
- Kompostwürmer? Nicht nötig
- EM (Effektive Mikroorganismen)? Manche schwören drauf
- Wie lange dauert es, bis der Kompost fertig ist? Einige Wochen bis Monate, bei Spezialkomposten auch länger.
- Woher weiß ich, dass der Kompost fertig ist? Er ist nicht mehr warm, die Dichte an Würmern lässt nach, er duftet nach Walderde
- Muss ich Kompost umsetzen? Nur wenn er sehr verdichtet ist.
- Was ist ein Casual Compost (siehe Grafik 1)? Kann bis zu einem Meter aufgeschichtet werden. Nach ein paar Wochen kann das noch nicht fertig zersetzte Material abgehoben werden und bildet die unterste Schicht eines neuen Haufens. Der fertige Kompost aus den unteren Schichten kann direkt verwendet werden.
Weiterführende Infos
Der Text ist eine Zusammenfassung des Vortrag, den Dr. Birgitta Goldschmidt im Rahmen der Online-Reihe Fachberatung 2025/2026 des BKD gehalten hat.
Dr. Birgitta Goldschmidt (Geoökologin) ist Referentin, Beraterin und Promotorin für Schulgarten und Bildung für nachhaltige Entwicklung aus Koblenz.
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